LehrerIn werden – Lehr„amt“ ohne Burnout

Lehrer-Werden

Hallo liebe Leser,

als ich neulich mit drei Bekannten in einem unserer Cafés saß, fragte mich einer, ob ich demnächst auch bei der zweiten Runde unseres Aichacher Hörpfades (www.aichachamohr.de – bitte in die obere Zeile der Startseite Internet eingeben!) wieder als Autor dabei wäre. Ich musste passen, da ich mich erst einmal noch um das Verlegen meines Buches kümmern müsse. Neugierig geworden fragten sie nach, was für ein Buch das sei und so fing ich mal von vorne mit dem Titel an:

Traumberuf Lehrer – Alltag und Vision

Das etwas andere Handbuch der pädagogischen Praxis

Während die beiden anwesenden Frauen interessiert lächelnd auf eine weitere Erklärung warteten, lächelte auch mein Gegenüber, meinte aber, Traumberuf sei doch sicher ironisch gemeint und wäre in Anführungszeichen gesetzt. Als ich ihm versicherte, es gäbe keine solche Zeichen und der Titel sei auch in der Tat so beabsichtigt, verdüsterte sich sein Gesicht zusehends.

Sowas gäbe es doch garnicht; er habe in der Regel nur schlechte Erfahrungen mit dieser Berufsgruppe gemacht, wobei nun die beiden Frauen ihrerseits widersprachen und von eigenen positiven Erlebnissen und Erfahrungen berichteten. Ich gebe zu, dass auf den ersten Blick die Wörter “Traumberuf” und “Vision” durchaus nach einer gewissen Wahlverwandtschaft klingen, die mit der Realität nicht allzuviel zu tun hat.  Es ist leider auch richtig, dass nicht selten der Begriff “Alptraum” die Umstände, unter denen Lehrerkräfte aber auch Schülerinnen und Schüler zu arbeiten und zu leiden haben, besser beschreiben würde. Natürlich gibt es für all das gute oder eher schlechte Gründe.

Da kommen Kinder und Jugendliche aus völlig desparaten Verhältnissen zu uns, die hier nicht näher zu beschreiben sind. Da werden Lehrerinnen und Lehrer mit jungen Menschen konfrontiert, die von ihrem soziokulturellen Hintergrund her von klein auf zu Machos und einem Selbstbewusstsein erzogen worden sind, das in krassem Widerspruch zu ihren wahren Fähigkeiten stehen kann. Da kommen Sprösslinge aus sogenannten besseren Kreisen, die genau die gleichen Eigenschaften mitbringen wie die eben beschriebenen, wobei noch erschwerend hinzukommt, dass deren Eltern im Zweifelsfall grundsätzlich die besseren Pädagogen sein wollen. Das alles macht unsere Arbeit zweifellos komplizierter als noch vor Jahren, es macht sie aber nicht unmöglich.

Um einmal erfolgreich unterrichten zu können, bedarf es zunächst eines ehrlichen, realistischen Blicks auf das Anforderungsprofil für den Lehrberuf. Hierbei sollten sich die Interessierten ganz klar darüber werden, ob es neben der Neigung für bestimmte Fächer und gutem Fachwissen ganz andere, vielleicht noch wichtigere Bereiche gibt, die es abzudecken gilt: beispielsweise emotionale und soziale Intelligenz, menschliche Wärme, aber ebenso Durchsetzungsvermögen, das Umgehen mit Kritik, nicht nachlassende Lernbereitschaft, womöglich die Bereitschaft zu einer Supervision.

Wenn Sie, liebe angehende Kolleginnen und Kollegen beim Lesen des letzten Absatzes ein gutes Gefühl haben, haben Sie eigentlich schon eine ganz hohe Hürde auf Ihrem Weg ins Berufsleben genommen.

Der nächste entscheidende Schritt wäre dann die Erkenntnis, dass Ihr beruflicher Erfolg in allererster Linie davon abhängt, wie gut Ihre Beziehung zu Ihren Schülerinnen und Schülern ist. Da wäre es natürlich eine feine Sache, jetzt wirkt’s ein bisschen kitschig, wenn es so ein kleines Schlüsselchen gäbe, mit dem wir die Herzen der uns Anvertrauten erschließen könnten. Aber Kitsch beiseite: Dorthin müssen wir kommen, wir müssen ihr Vertrauen gewinnen. Wie Sie dann unterrichten, welche Methoden oder Medien Sie einsetzen – all das ist sekundär; wichtig ist, ob Sie miteinander können, ob es eine Freude sein kann, miteinander zu arbeiten, ob Sie einander wertschätzen.

Wie man beruflichen Erfolg definieren möchte – da sind wir uns in Einem sicher einig: den  Klassen möglichst viel nachhaltiges Wissen vermitteln. Allerdings – sind hier nicht schon leise Zweifel angebracht? Ist das bei unseren Lehrplänen überhaupt möglich? Was müssen wir nicht bis zum Schuljahresende alles „durchgenommen“ haben?  Ist da Nachhaltigkeit in zufriedenstellendem Maße überhaupt möglich? Hat da nicht mal jemand vom bulimischen Lernen gesprochen?

Wenn wir beruflichen Erfolg definieren, haben wir als Pädagogen natürlich auch die  Pädagogik = Erziehungslehre im Auge, d.h. worin besteht die ganze Bandbreite unserer erzieherischen Bemühungen? Was führt über das Vermitteln von Fachwissen hinaus? Ein Blick in unsere Schulordnungen und Lehrpläne gibt hierzu klare Antworten. Ich möchte als Beispiel den aktuellen Lehrplan der Bayerischen Realschule in Auszügen heranziehen. Da lesen wir zum Bildungs- und Erziehungsauftrag:

  • Die Schulen … sollen Wissen und Können vermitteln sowie Geist und Körper, Herz und Charakter bilden…
  • In gemeinsamer Arbeit in Unterricht und Schulleben lernen die Schüler, sich mit anderen fair, rücksichtsvoll und sachlich auseinander zu setzen, geduldig zuzuhören, aber auch überzeugend zu argumentieren. Sie werden angehalten, Eigeninitiative und den Willen zur Mitgestaltung der Gesellschaft zu entwickeln und dabei Toleranz und Solidarität zu üben…
  • legt großen Wert auf eine nachhaltige Umwelterziehung. Sie führt den Schülern die Chancen und die Risiken gesellschaftlicher und technischer Entwicklungen vor Augen und erschließt ihnen die Bedeutung der Natur für die Existenz des Menschen. Die Schüler sollen entsprechende Einstellungen gewinnen, Handlungsmöglichkeiten erproben und bereit werden, Verantwortung für Natur und Umwelt zu übernehmen…
  • Sie erkennen, dass die Wirklichkeit in einer demokratischen Gesellschaft immer wieder am Ideal überprüft werden muss und dass alle Mitglieder der Gesellschaft Fehlentwicklungen entgegenwirken und zu einer Verbesserung der Verhältnisse beitragen müssen.

Wir sehen, es geht um fundamentale Bereiche unserer Existenz. Besonders spannend finde ich die Aufforderung, sich nicht mit bestehenden Missständen abzufinden, sondern zu einer Verbesserung der Verhältnisse beizutragen. Die Frage ist wie bei der Thematik Nachhaltigkeit, was davon im Alltag tatsächlich umgesetzt werden kann. Dabei spielt vielleicht garnicht mal die aufgewandte Zeit eine so große Rolle, sondern wieder einmal, Sie vermuten es schon, die Person desjenigen, der vor der Klasse steht.

Wenn Sie ein vertrauensvolles Verhältnis zu Ihren  Schützlingen aufgebaut haben, können Sie die angegebenen Erziehungsziele, wo es möglich ist, gewinnbringend in Ihren Unterricht einbringen und die Werte im schulischen wie privaten Alltag selbst vorleben. Dann haben nicht nur Ihre Schülerinnen und Schüler eine Hilfe für einen Sinn-vollen Lebensplan, sondern Sie werden selbst einen Kraftquell für Ihre Berufsmotivation erschließen, der es in sich hat. Ziel meines Buches ist es, auch hierbei Anregungen zu geben, die mit dem staubtrockenen Begriff Lehr„amt“ nicht zu erfassen sind und das Phänomen Burnout können Sie dann auch vergessen – vielleicht doch ein Traumberuf?


    

Hinterlasse eine Antwort